Meine Reaktion auf den Titel des Wirtschaftsmagazins “brand eins” vom Juni 2013.
Original-Titelbild siehe auch http://www.brandeins.de/magazin/motivation.html
(“It is finally again monday! Main topic: Begin”)
Meine Reaktion auf den Titel des Wirtschaftsmagazins “brand eins” vom Juni 2013.
Original-Titelbild siehe auch http://www.brandeins.de/magazin/motivation.html
(“It is finally again monday! Main topic: Begin”)
“Minimal Art”; 24 cm * 24 cm * 3 cm; Tinte auf Papier auf Schaumstoffplatte auf Holz hinter Glas; 2013.
(“Minimal Art”; 9.45 in. * 9.45 in. * 1.18 in.; ink on paper on foam sheet on wood behind glass; 2013)
“Bewegung”, 4216px / 4216px; (“Movement”); 2013
“Call Grandma”

Nachdem die Süddeutsche gestern, am 17.12.2012, in der Print-Ausgabe als auch unter http://bit.ly/ULEM4P über die Renaissance der .gif-Animationen berichtet hatte (Zitat: “Vor allem auf dem momentan extrem beliebten Blog-Netzwerk Tumblr widmet sich ein großer Teil der Nutzer allein dem permanenten Erstellen und Teilen immer neuer Animationen.”), kommt nun hier auch ein Beitrag von mir.
Heute, am 07.12.2012 erscheint die Financial Times Deutschland (FTD) zum letzten Mal. Obwohl kein Abonent oder regelmäßiger Leser, macht es mich als Kultur- und Zeitungsliebhaber schon nachdenklich, dass schon wieder ein Printmedium verschwindet.
Geschürt wurde meine Betroffenheit durch Berichte in der Süddeutschen Zeitung, die den Auflösungsprozess bei Gruner & Jahr begleiteten. Einstellung der FTD, eine ungewisse Zukunft für “Impulse”; und von “Börse-Online”, welches als Print (noch) erscheint. Ich persönlich bin ein bißchen skeptisch, ob der Durchmarsch des neuen Vorstands der Situation gerecht wird und ob sämtliche Optionen, die nun betroffenen Printtitel zu erhalten, wirklich ausgereizt wurden. Zu schnell verselbständigen sich manche Vorstellungen, die Aufsichtsräte beeindruckten. In Folge zu fixen Ideen geworden, werden sie mit einer Geschwindigkeit und Radikalität durchgesetzt, deren Vehemenz eigene Zweifel und Zweifler zum Schweigen und auf Linie bringen (sollen).
Neue Besen kehren gut, sagt man. Die Frage ist, auf wessen Kosten. Meine Gedanken sind in dieser Adventszeit insbesondere bei den betroffenen JournalistenInnen und deren Familien.
Aber man sollte nicht (jetzt schon) das unweigerliche Ende aller Printmedien verkünden. Die Ausgabe der Wochenzeitung “Die Zeit” vom 22.11.2012 nahm mit der Schlagzeile “Wie guter Journalismus überleben kann” die Diskussion über die Zukunft der Printmedien auf - und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf ein Thema, welches uns als Leser und Bezieher von Tages- und Wochenzeitungen nicht unberührt lassen darf.
Wir alle sollten uns den Lesegenuss, den uns unsere tägliche Zeitung nicht nur durch den gedruckten Inhalt bereitet, verdeutlichen. Und auch einmal darüber nachdenken, was es uns wert ist. Möchten wir noch unsere Zeitung morgens in den Händen halten, oder beim Frühstück über den Tablet-Bildschirm wischen, gleichsam wie wir die Krümmel von der Decke fegen? Welchen Wert haben aktuelle Informationen und hat sorgfältig recherchiertes Hintergrundwissen für uns? Und was billigen wir den JournalistenInnen zu?
Spiegel-Online befasst sich mit einem am heutigen Tag unter http://bit.ly/11Pjc4p erschienenen Kommentar aktuell mit dem Ende der FTD und dem vermehrt einsetzendem Zeitungssterben, wie dem der Frankfurter Rundschau, die unlängst in die Insolvenz ging. Auch wenn wir uns daran gewöhnt haben, (fast) jede Information irgendwann auch unentgeldlich im Internet zu finden, so ist dies sicherlich nicht für alle der Idealfall. Was bleibt für wen übrig, wenn sich die “Gewinne” nur noch aus den Anzeigenerlösen generieren, die neben veröffentlichten Texten auf den Online-Seiten eingeblendet werden?
Journalistik nur noch als Beiwerk, quasi zur Verkausförderung - das ist der falsche Weg. Alle sind gefordert, dem entgegen zu wirken: wir als Leser, die bereit sein müssen für Qualitätsjournalismus weiterhin zu zahlen - die JournalistenInnnen mit ihrer Pflicht, sich in ihre Texte voll einzubringen - die Vorstände, die in einer gedruckten Zeitung ein Kulturgut sehen sollten und nicht nur eine herkömmliche “Ware”. Eine Zeitung zu machen hat selten etwas mit Gewinnmaximierung zu tun. Wird dies dennoch angestrebt, so kann ich mich nur den letzten Zeilen des oben genannten Kommentars anschließen:
“Ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, dass die, die den Inhalt liefern, nichts bekommen, das ist kein Geschäftsmodell, das ist Scheiße.”
Und wenn die, die den Inhalt liefern, nichts bekommen, was bekommen wir dann?
Veröffentlichung im Zeit-Magazin Nr.41 vom 04.10.2012 bzw. auf www.zeit.de unter bit.ly/QL06ou:
PAOLO PELLEGRIN
… Man darf in Guantánamo übrigens nur digital fotografieren.
ZEITmagazin: Warum das?
PAOLO PELLEGRIN
Pellegrin: Damit sie überprüfen können, ob die Fotos ihren Sicherheitsvorstellungen entsprechen. Jeden Abend kontrollieren sie, was man fotografiert hat. Man muss sich das so vorstellen: Am Abend fragen sie dich nach allen Speicherkarten, die an dem Tag benutzt wurden. Dann beginnt der Überprüfungsprozess: Sie laden die Bilder auf einen Computer. Dann schauen sie sich alle Bilder an und stellen sicher, Bild für Bild, dass keines gegen ihre Kriterien verstößt. Die Aufnahmen, die das tun, werden gelöscht, die anderen darf man behalten.
(Quelle: bit.ly)
Flucht in Träume
Flucht in Trauer
Flucht in Grübel
Flucht in Krankheit
Flucht in Ehe
Flucht in Glauben
Flucht in Jemandens Schoß.
Flucht in Trägheit
Flucht in Schlaf
Flucht in Hobbies
Flucht in Reisen
Flucht in Arbeit
Flucht in Unrast
Flucht in Unmaß
Flucht in Stress
Flucht in Bücher
Flucht in WebSites
Flucht in Spiele
Flucht in Filme
Flucht in Kaufen
Flucht in Sex
Flucht in Sport
Flucht in Tollheit
Flucht in Gefahr.
Flucht in Schlucken
Flucht in Trinken
Flucht in Spritzen
Flucht in Geißlung
Flucht in Streit
Flucht in Gewalt
Flucht in Selbstverletzung
Flucht in Selbstmitleid
Flucht in Einsamkeit
Flucht in Depression
Flucht in den Tod.
Flucht statt Innehalten
Tod statt Leben.
„Wähle einfach einmal diese Nummer“, sagte sein Freund Peter zu ihm. Das tat er. Und damit begann Theos letztes großes Abenteuer.
Am anderen Ende meldete sich eine Frauenstimme.
Sie beschrieb ihm den Weg, raus aus der Stadt auf die Landstraße in westlicher Richtung. An einer Weggabelung, ungefähr bei Kilometer 25, sollte er sich links halten. Dann geradeaus fahren und nach circa drei Kilometern rechts auf einen Waldweg einbiegen. 200 Meter weiter und schon sei er da.
Es war einer dieser Tag, an dem keiner Katzen oder Hunde vor die Tür jagen wollte.
Fröstelnd fiel er in das abgewetzte Polster seines alten Saabs und fingerte umständlich den Schlüssel in das zwischen den Vordersitzen liegende Zündschloss. Dann startete er den Wagen. Der Motor fing stotternd an zu laufen, als ob er es sich überlegen müsste, an diesem trüben Tag überhaupt seine Arbeit aufnehmen zu wollen. Der Keilriemen der Lichtmaschine wimmerte kurz auf. Theo trat einige Male nachdrücklich auf das Gaspedal und wartete, bis der Motor auf allen vier Zylindern rund lief. Die Seitenscheibe quietschte sich beim Herunterkurbeln an der Gummidichtung entlang. Mit klammen Fingern wischte er die Wassertropfen vom Außenspiegel.
Er schaute.
Ausbleibende Scheinwerferlichter zeigten ihm eine Lücke auf. Umständlich fädelte er sich ein, wie immer mit schleifender Kupplung und eine Rauchfahne hinter sich herziehend, um dann die ersten drei Gänge routiniert durchzuschalten. Mit Mühe kurbelte er die Scheibe wieder hoch, denn der Kurbelknopf bestand nur noch aus wenig mehr als der Hälfte seiner ursprünglichen Form, und der Sprengring, der ihm sicheren Halt auf der Achse geben sollte, fehlte schon lange.
Die Scheibenwischer schmierten den feinen Sprühregen zur Seite, das Gebläse brüllte gegen den Beschlag an und die einsetzende Heizung vertrieb die feuchte Luft aus dem Innenraum, nicht ohne einen Geruch von angesengtem Staub zu verbreiten. Der am Innenspiegel hängende Wunderbaum pendelte im Takt des Verkehrs hin und her, kam aber seiner eigentlichen Aufgabe nicht mehr nach.
Als er an der beschriebenen Weggabelung den linken Weg nahm, hatte der Regen aufgehört. Kurz darauf sah er die Einfahrt in den Waldweg. Er nahm einen letzten, tiefen Zug kurz oberhalb des Filters, drückte mit seinem rechten Daumen die Zigarette im vor Kippen überquellenden Aschenbecher aus und schaltete herunter.
Mit Schrittgeschwindigkeit bog er ein und versuchte halbherzig den scheinbar metertiefen, mit Regenwasser gefüllten Schlaglöchern auszuweichen. Eine Schranke markierte das Ende des befahrbaren Wegs. Er stellte den Wagen ab, verschloss ihn und ging die letzten Meter bis zum See voller Erwartung zu Fuß. Nicht einmal teuer sollte sie dem Telefonat nach sein.
Da war sie, die Schöne. Er sah sie schon von weitem und näherte sich beinahe ehrfürchtig. Bei ihr angekommen, betrachtete er sie von allen Seiten, streichelte leicht ihren Rumpf, strich mit seinen nikotingelben Fingerkuppen ihre Konturen entlang, ließ seine unförmigen, prankenhaften Hände dann kurz auf ihr ruhen und fühlte den trotz ihres Alters spannungsvollen Körper. Er ließ ab, trat einen Schritt zurück und steckte seine Hände in die Hosentaschen. Mit gesenktem Blick dachte er kurz über seine Träume nach oder besser gesagt, darüber, was von ihnen noch übrig war. Er sprach kein Wort. Dann trat er wieder an sie heran.
Sie weigerte sich zunächst, seinem dumpfen Drängen nachzugeben. So stemmte er sich gegen sie, zerrte und riss an ihr bis er seine Arme vor Anstrengung nicht mehr oben halten konnte und sie einfach fallen ließ. Ganz außer Atem stand er da und atmete mit offenem Mund. Zwischenzeitlich war er ausgerutscht und auf die Knie gegangen, und die Hosenbeine starrten vor Dreck. Doch sie kam, erst langsam, aber stetig, das spürte er. Als sie ihm schlussendlich nachgab und mit dem Trailer ins Wasser rutschte, schwang er sich hinauf und kam mit einem leichten Stöhnen auf dem Deck zu liegen. Die Yacht bewegte sich schlingernd auf den Wellen, und er setzte sich auf.
„Wie habe ich dich geliebt“, dachte seine Frau bei sich, die das Schauspiel gänzlich vom Waldrand aus mit angesehen hatte. „Wie dieses Boot hast du mich behandelt. Genauso. All` die Jahre über“. Sie schloss ihre Lider und schluckte. „Theo“, rief sie aus dem Dickicht heraus. Dann ging sie auf ihn zu, zog unvermittelt eine Waffe und erschoss ihn.
Sie besah sich vom Ufer aus den leblosen Körper, der mit offenen Augen rücklings auf dem Deck lag, die Beine unter dem Körper verdreht. Ein ungläubiger, erstaunter Ausdruck umspielte noch immer sein verfettetes Gesicht. Sie wendete sich ab, und ein tiefes, multiples Schluchzen ließ ihren Körper erzittern. „Das wars“, sagte sie zu sich selbst. Und das Gefühl einer unglaublichen Erleichterung, das sie nun durchflutete, ließ ihre emotionale Erschöpfung einen Moment lang in den Hintergrund treten. Sie senkte ihr voll Ekel und Bitterkeit verzerrtes Gesicht und ging mit hängenden Schultern zurück zur Straße. Der Regen setzte wieder ein, stärker und stärker werdend.
Peter wartete schon mit seinem Wagen auf sie. „Fahr los“, sagte sie unter Tränen, die an ihren Wangen ungehemmt herunterliefen. Die Tür schlug zu, und sie lehnte ihren Kopf an die Seitenscheibe, an der die Tropfen Rinnsale bildeten und vor ihren Augen Streifen zogen, die es nicht vermochten, ihrem Blick einen Halt zu geben.
Der einsetzende Wind wehte Reste von herbstlichen Blätter von den Bäumen, die im Scheinwerferlicht schimmernd feucht auf der Straße liegen blieben. Der Motor erklang, die Räder rissen die Feuchtigkeit vom nassen Asphalt, und die roten Rücklichter verloren sich allmählich in der Ferne, von einer kleinen, sich formenden Gischtfahne begleitet.
“Sundays kills more men than bombs.”
(Charles Bukowski)